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Wie smart sind Deutschlands Städte?

10 Apr 2018

Laut einer aktuellen Studie sollen sich die Smart-City-Umsätze in den nächsten Jahren auf 43,8 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Doch ab wann gilt eine Stadt eigentlich als „smart“? Und wer profitiert überhaupt von ihr?

 

Der Smart-City-Markt ist in den kommenden Jahren einer der am schnellsten wachsenden Sektoren weltweit – und das auch in Deutschland. Laut der jüngst von Eco und Arthur D. Little veröffentlichten Studie „Der deutsche Smart-City-Markt 2017–2022. Zahlen und Fakten“ verzeichnet dieser Sektor 2017 einen Umsatz von ca. 20,4 Mrd. Euro. Bis 2022 sollen sich diese Umsätze in Deutschland auf rund 43,8 Mrd. Euro mehr als verdoppeln – das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 16,5 Prozent.

Doch trotz der Pilotprojekte stecke der deutsche Markt – global gesehen – noch in den Kinderschuhen, meint Harald A. Summa. „Der erfolgbringende, ganzheitliche Ansatz einer offenen und segmentübergreifenden Plattform ist in den führenden deutschen Smart Cities wie Berlin, Frankfurt und München kaum erkennbar“, so der Geschäftsführer des Eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. Um in den kommenden Jahren im internationalen Vergleich zu führenden Smart Cities aufzusteigen, sollten deutsche Städte und Unternehmen eng zusammenarbeiten, um einen ganzheitlichen Ansatz zu realisieren.

 

Zahlreiche Handlungsfelder

In Städten und Kommunen existieren zahlreiche Handlungsfelder und Bereiche, die von smarten Technologien profitieren können – vor allem der Verkehr, die Luftqualität sowie der Wohnraum. Aber auch die Energieinfrastruktur sollte intelligent sein, meint Prof. Dr. Michael Koch, Vice President der Devolo AG. „Denn das Energienetz der Zukunft ist heterogen aufgebaut: An die Stelle weniger großer treten viele kleine Erzeuger.“ Um dieses Netz effektiv steuern zu können, braucht es intelligente Kommunikationstechnologie – im Netz und auch im Haus.

Ein weiteres Beispiel sind intelligente Straßenlaternen. Bergisch Gladbach modernisiert z.B. aktuell umfassend seine Straßenbeleuchtung. Bis Mitte 2019 sollen in der 110.000-Einwohner-Stadt im Bergischen Land die veralteten Leuchten durch LED-Technik ersetzt und überdies durch das Lichtmanagementsystem Citytouch von Philips Lighting vernetzt werden.

Das Wissen, wie sich Menschen bewegen, ist für Städte ebenfalls eine sehr wichtige Information, um z.B. den Verkehr besser zu planen. An Lösungen in diesem Bereich arbeitet Telefónica Next. „Dafür nutzen wir u.a. die Daten, die in unserem Mobilfunknetz ohnehin anfallen“, berichtet Jens Lappoehn, Geschäftsführer des Unternehmens. „Immer wenn ein mobiles Endgerät mit dem Netz kommuniziert, entsteht ein Datenpunkt. Aus den fünf Milliarden Datenpunkten jeden Tag berechnen wir anonymisierte Bewegungsströme der deutschen Bevölkerung.“ Verkehrsbetriebe könnten so ihr Angebot entsprechend dem Bedarf anpassen. Im Projekt Protain arbeite man z.B. aktuell mit weiteren Partnern daran, den Nahverkehr in Berlin-Bandenburg zu optimieren.

 

Streben nach Verbesserung

Ab wann darf sich eine Stadt überhaupt als „smart“ bezeichnen? Gibt es bestimmte Mindestanforderungen? „Gemäß unserer Beschreibung einer Smart City kann Smartness nicht in Form eines Mindest- oder Endzustands erreicht werden“, meint Chirine Etezadzadeh. Vielmehr stehe die Verwendung des Begriffs, entsprechend der stetigen Entwicklung einer Stadt, für ein kontinuierliches Streben nach Verbesserung im Sinne der vielfältigen städtischen Ziele. Bei der Umsetzung von Smart-City-Projekten ist auch der Datenschutz ein sehr wichtiges Thema. Erwartet werden sichere Lösungsplattformen, die Cyberangriffen ohne Probleme standhalten.

 

Ein Blick auf die Bürger

Und wie finden die Bewohner das Ganze? „Ich sehe, dass sinnvolle Innovationen von den Menschen dankend angenommen werden“, so Chirine Etezadzadeh. „Vereinfachte Bürgerdienste, ein moderner ÖPNV, Nachbarschaftsplattformen oder soziale Initiativen, die mit ganz wenig Technik auskommen, erfreuen sich großer Beliebtheit.“ Die Herausforderung liegt u.a. darin, „die ältere Bevölkerungsschicht ‚abzuholen’ und sie zum Mitmachen zu motivieren bzw. vom Nutzen zu überzeugen“, gibt Andreas Zerlett zu bedenken. Intelligente Ver- und Entsorgungskonzepte funktionieren letztlich nur dann, wenn die Einwohner einer Stadt eingebunden und zur Nutzung aufgefordert werden. Verlieren werden hier nur diejenigen, die den Weg zur Smart City nicht beschreiten. Durch die Digitalisierung öffnen sich aber für alle neue Chancen und Möglichkeiten – die sollte man ergreifen.



Textquelle: https://www.it-zoom.de/mobile-business/e/wie-intelligent-sind-deutschlands-staedte-18075/